Das Spektakel 2017

RESET: das Spektakel 2017

Wir sind im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Die Welt ist im Umbruch, es ist der Beginn einer neuen Zeit. Es geht um neue Medien, neue Welten, neues Denken. Gutenberg hat den Buchdruck erfunden, Amerika ist entdeckt worden, die Humanisten prägen ein neues Menschenbild.

Die Pest rollt über das Land wie eine mörderische Welle, und wo sie hinkommt, tötet sie schnell und erbarmungslos. Täglich, stündlich, sofort. Die Angst vor dem jähen Tod muss unvorstellbar gross gewesen sein. Der Zorn Gottes, die Furcht vor dem Jüngsten Gericht und den Höllenqualen, wacker angeheizt von Priestern und Hasspredigern, können nur durch Stiftungen, Spenden, Wallfahrten und Ablassbriefe bekämpft werden. Das Business blüht.

Und dann greift Martin Luther vor genau fünfhundert Jahren zum Hammer und nagelt am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Historisch ist das Annageln nicht gesichert, aber es gilt als die legendäre Initialzündung der Reformation. Sicher ist, dass Luther seine Thesen an jenem Tag an zwei Bischöfe und später an weitere Würdenträger schickte. Von nun an gings Schlag auf Schlag.

Was den Deutschen ihr Luther, ist den Schweizern ihr Zwingli. Auch dieser Huldrych Zwingli, 35-jährig, Leutpriester am Grossmünster in Zürich, wird von der Pest erfasst. Er übersteht die Krankheit, während rund ein Viertel von Zürichs siebentausend Einwohnern sterben. Die Zürcher Initialzündung der Reformation ist ein öffentliches Wurstessen im Haus des Druckers Christoph Froschauer, der auch Zwinglis Bibelübersetzung verlegt. Der Zeitpunkt ist Provokation pur: mitten in der Fastenzeit. Darauf veröffentlicht Zwingli seine erste reformatorische Schrift. Die Folge ist die erste wuchtige Auseinandersetzung mit dem Konstanzer Bischof: die erste Disputation.

Die Reformation haut zum ersten Mal einen Stadt-Land-Graben in die Eidgenossenschaft: Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen wechseln zum neuen Glauben, die Zentralschweizer Orte halten zum alten. Es kommt zum Krieg. Der Erste Kappelerkrieg endet friedlich mit der legendären Kappeler Milchsuppe, der Zweite wird blutig und kostet Zwingli das Leben.

Auch nicht gerade friedlich geht es in Genf zu und her, wo Jean Calvin mit harter Hand seine Reformation durchsetzt. Und weltweit die grösste Wirkung aller Reformatoren erzielt. Er macht die Rhonestadt zum «Rom des Protestantismus».

Szenenbeschriebe RvB 2017 (PDF)